Der grosse Krieg

UG

Der grosse Krieg

Drei Stücke von Neil LaBute
Ich mag dich wirklich / Land der Toten / Der grosse Krieg
Deutsch von Jennifer Whigham, Lothar Kittstein und Frank Heibert
swiss debut performance
Premiere: 27. October 2011

In «Ich mag dich wirklich» treffen sich ein Mann und eine Frau, die sich bisher nur online kannten, zum Blind Date. Dass der Mann möglicherweise ein Serienmörder ist, erfährt nur das Publikum, das er genüsslich in sein perfides Spiel miteinbezieht.

In «Land der Toten» ist von der Liebe nichts als die Nachricht auf einer Mailbox geblieben, datiert auf den 11. September 2001. Man könne «das Ding» ja vielleicht doch behalten, hört man den Mann da sagen – gemeint ist das Baby, das die Frau gerade hat abtreiben lassen, während er in den Twin Towers umkam.

Kriege enden nie, politisch wie privat. Im Wohnzimmer von Mann und Frau werden in «Der grosse Krieg» die Formalitäten der Scheidung ausgefochten. Neben der Gütertrennung lautet die zentrale Frage: Wer behält die Kinder? Das überraschende Problem dabei: Keiner von ihnen will sie.

Der amerikanische Autor und Regisseur Neil LaBute ist einer der meistgespielten zeitgenössischen Autoren in Europa und ein Meister darin, mit boulevardesk leichter Sprache menschliche Beziehungen und Abgründe zu durchleuchten. LaBute, 1963 in Detroit geboren, wurde durch seine Filme «In the company of men», «Your Friends & Neighbors» und «Death at a Funeral» bekannt sowie durch seine zahlreichen und mehrfach ausgezeichneten Theaterstücke; seine Trilogie «bash – stücke der letzten tage» wurde in der Kritikerumfrage von «Theater heute» zum besten ausländischen Stück gewählt, «Das Mass der Dinge» wurde 2001 als das beste amerikanische Stück der letzten zehn Jahre gefeiert. Im UG des Luzerner Theaters ist die Trilogie «Ich mag dich wirklich/Land der Toten/Der grosse Krieg» als Schweizer Erstaufführung zu erleben.

CONVERSATION

 

«Ich will mein Publikum herausfordern»

 

Er ist berühmt für seine brutalen Charaktere und schockierenden Geschichten und er hat zwei Kinder umgebracht – mindestens. Das eine erstickt, das andere in einem Pinguin-Pool im Zoo ertränkt. Dazu kommen homophobisch motivierte Schlägereien, eine Gruppenvergewaltigung und zahlreiche kriminelle Betrügereien sowie Hintergehungen. Alles fiktionale Verbrechen – natürlich – Teil des überaus produktiven Schaffens des Autors Neil LaBute.

Seinen ersten Stücken warfen die Kritiker unter anderem Frauenfeindlichkeit vor, trotz seiner meist schäbigen und willensschwachen männlichen Protagonisten. «Let’s hurt somebody», lass und jemandem wehtun, schlägt der unangenehme Antiheld seines Debütfilms «In the Company of Men» vor, um danach aus einer Art sportlichen Herausforderung heraus eine taube Arbeitskollegin zu verführen und sie anschliessend abzuservieren. «bash», LaButes Stücktrilogie moderner griechischer Tragödien, brachte ihn in Konflikt mit der Mormonenkirche, der er selbst sowie die Protagonisten der Trilogie angehörten. LaBute ist seither aus der Kirche ausgetreten.

Doch trotz oder gerade wegen seines Talents, Probleme zu generieren und Kritiker auf sich zu hetzen, werden LaButes Stücke mehr gespielt als viele andere zeitgenössische amerikanische Dramatiker – vergleichbar mit seinen Idolen Harold Pinter und David Mamet. LaBute ist eine freundliche Persönlichkeit, für einen Serienkiller sogar beinahe zimperlich. «Doch wenn ich weiss, etwas ist real, werde ich sehr nervös, ich kann noch nicht einmal einen Dokumentarfilm über Tierversuche ansehen». Seine ruhige und höfliche Art lassen eine im Dunkeln verborgene Seele mit ungeahnten Tiefen vermuten – welches mysteriöse Trauma, fragt man sich, kann LaBute zu seinen Geschichten inspirieren? Wie viel LaBute steckt in seinen teils schaurigen Charakteren? «Um solche Charaktere zu kreieren, wie ich es tue, muss es mir möglich sein, mich in sie hineinzuversetzen. Was mich interessiert, ist der Versuch, diese Person zu verstehen, über die ich schreibe. Es ist nicht die Tat, die mich vordergründig interessiert, sondern wie ein Charakter sie rechtfertigt.Das fasziniert mich.» LaBute denkt nicht daran, Geschichten mit Happy End zu schreiben, das Gründgerüst seiner Stücke ist die Ironie. Seine Charaktere, sagt er, sind alle von dem Bedürfnis getrieben, ihre Tat zu gestehen. «Die Polizei würde dir folgendes sagen: es gibt schlaue Mörder, dumme Mörder, nette Mörder oder Menschen ohne jegliches Mitgefühl, aber sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben das dringende Bedürfnis, ihre Tat mitzuteilen. Es ist faszinierend, wenn meine Charaktere zum Publikum sprechen: ‹Ich werde Ihnen jetzt etwas erzählen, das ich meinem Partner nicht erzählen würde›, ‹die Person neben mir wird niemals wissen, dass ich es getan habe.› Das ist grossartig. Ich liebe es.»

Gespräch zwischen Tim Walker und Neil LaBute, In: The Independent, Februar 2011

PRESS FEEDBACK

« Es ist eine gefühlskalte Welt, die hier gezeigt wird. Der Schauspielleiter des Luzerner Theaters, Andreas Herrmann, setzt ganz auf seine zwei Darsteller Juliane Lang und Hajo Tuschy. Und das zu Recht. Eine schlichte Bühne, kaum Requisiten, nichts lenkt von den beiden ab. Und die beiden jüngsten Ensemble-Mitglieder des Luzerner Theaters bieten eine beeindruckende und rundum tolle Vorstellung.»
Radio DRS Regionaljournal, 28.10.2011 
 

 «Juliane Lang und Hajo Tuschy, die beiden jüngsten Ensemblemitglieder des Luzerner Theaters, zeigen in diesen dichten eineinhalb Stunden mit nie einbrechender Präsenz und nuanciertem Spiel eine eindrückliche Leistung.»
Neue Luzerner Zeitung, 29.10.2011