Liebe Luzernerinnen, liebe Luzerner, liebe Gäste des LT,

Spielzeit 16/17

Fast hätte ich Luzern verpasst. Den Anfang machte ein Brief des Stiftungsrates, der mich zwei Monate lang nicht erreichte. Er lag auf einem falschen Schreibtisch im Bremer Theater. Ich bekam den Brief, war ein paar Tage später in Luzern und zwei Monate später designierter Intendant. Eine neue Aufgabe, die ich als Geschenk empfinde! Luzern plant Grosses. Schon lange wird hier an der Idee für eine Salle Modulable gearbeitet. Vor 177 Jahren haben sich Bürger dieser Stadt ihr Theater gebaut. Nun könnte es wieder dazu kommen und im Verbund verschiedener Kulturpartner ein neues Gebäude, neue Räume für ein «Regionaltheater der Zukunft» entstehen.

Neue Räume sind auch bestimmend für unsere erste Spielzeit. Räume, in denen Begegnung und Versammlung stattfinden, Räume, die sich mit der Stadtgeschichte Luzerns und der Geschichte seiner Region verbinden. 
Zu Beginn bauen wir ein shakespearesches Globe ins Theater, das keine zentrale Perspektive vorschreibt. Stattdessen sitzen die Menschen rund herum, jeder sieht jeden. In solch einer Anordnung inszenierte sich die Stadtgesellschaft in der Renaissance und entwarf ein erstes Bild für die Inszenierung moderner Subjektivität. Danach begeben wir uns in die Viscosistadt, in der vor nicht allzu langer Zeit Garn für Damenstrümpfe produziert wurde. Jetzt stehen die Maschinen still, eine neue Zeit beginnt. In der ausgedienten Pilothalle werfen wir die alte Maschine Oper an, dort in diesem neuen Viertel von Luzern. Zu Ostern spielen wir in der Jesuitenkirche. Theater wie Kirche haben von jeher Menschen im Namen einer Idee versammelt. Mit dem gesamten Tänzer- und Sängerensemble und einem Ensemble für Alte Musik sowie dreissig Luzernerinnen und Luzernern entsteht unter dem gemalten Ideenhimmel der Kirche eine Skulptur aus Menschen. Im Sommer geht es ins Grüne. Das Schauspiel verbindet sich mit lokalen Künstlern, um Luzerner Kleingärten als utopischen Ort des Zusammenlebens zu erkunden. Ein neuer Raum ist auch die Box. Gleich zu Beginn wird sie sich zum Luzerner Markt hin öffnen. Am Abend kann man dort verweilen, kleinere Veranstaltungen besuchen und mit den Ensemblemitgliedern ins Gespräch kommen. Die Box ist vor allem Spielort für das Schauspiel, aber auch ein Ort für unsere Kulturpartner und alle Luzernerinnen und Luzerner.

Unsere Räume sind auch Zeiträume. Sie begleiten das Publikum durch das Jahr und haben zum Teil seltsame Namen: «Globe», «Box», «Viscosi», «Zuhause», «Utopia», «Bühne Kirche», «Draussen». Sie sind Räume für künstlerische Formen und schaffen eine grosse Nähe zu Kunst und Ensemble. Es sind Räume, in denen man in Bewegung ist und bewegt wird. Manchmal werden die Zuschauerinnen und Zuschauer nicht auf ihren angestammten Stühlen sitzen. Und manchmal werden die Stücke schneller vom Spielplan verschwinden als gewohnt – oft ist aber auch alles so wie bisher.

Wir freuen uns auf die gemeinsamen Projekte mit unseren Kulturpartnern: dem Lucerne Festival, dem Luzerner Sinfonieorchester, dem Südpol und dem Kleintheater, der Freien Szene und dem Verband der Freien Szene ACT, den Hochschulen für Musik & Design und der Universität. Wir alle zusammen sind der Theaterplatz Luzern!

Danken möchte ich den Luzerner Stiftern, die durch ihr Engagement die Box ermöglicht haben, ausserdem der Stadt für ihre enorme Unterstützung und Dominique Mentha für seine liebevolle Übergabe der Intendanz! Die Grafiken in diesem Buch erzählen von neuen Räumen und bewegten Formen. Sie sind Studien für die Plakatserie in unserer ersten Spielzeit. Wir sind sehr stolz, Ihnen dieses Spielzeitbuch zu überreichen, und auf ein Programm, das über eine lange Zeit mit Liebe gewachsen ist. Eine Zeit, in der wir oft an Sie gedacht haben, ohne dass wir uns schon kennen.

Wir freuen uns auf Sie!
Herzlich
Unterschrift Benedikt von Peter



 

 

Benedikt von Peter
und das Leitungsteam des LT