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The Beggar's Opera

Ballad Opera in drei Akten von Benjamin Britten
Text von John Gay
In englischer und deutscher Sprache
Premiere: 15. Februar 2012

Der Mensch bleibt sich gleich: Ob arm oder reich, ob gesellschaftlich geächtet oder angesehen – er reklamiert das Gute für sich und handelt schlecht. Diese Beobachtung inspirierte Bertolt Brecht und Kurt Weill 1928 zu ihrem subversiven Singspiel «Die Dreigroschenoper», wobei sie allerdings auf eine Opernparodie zurückgriffen, die schon 200 Jahre zuvor genau dieselbe Überzeugung propagierte: «The Beggar's Opera» von John Gay mit der Beteiligung des Komponisten John Christopher Pepusch.

Polly, die Tochter des ehrenwerten Hehlerkönigs Peachum, hat sich in den Strassenräuber Macheath verliebt und diesen heimlich geheiratet. Die Eltern jedoch hegen gesellschaftlich ambitioniertere Pläne mit Polly. Der unerwünschte Gatte muss folglich beseitigt werden …

Angeregt durch den spektakulären, damals vieldiskutierten Gefängnisausbruch des Verbrechers Jack Sheppard, schrieb Gay eine turbulente, im Londoner Ganovenmilieu angesiedelte Farce, die jedoch nicht nur das Verhalten zeitgenössischer Politiker auf's Korn nimmt, sondern ebenso deren kulturelle Vorlieben. So griff der Autor Wesensmerkmale des heroischen Romans, der Comédie larmoyante und der italienischen Oper auf, um sie im kriminellen Kontext ad absurdum zu führen. Die flotte Satire unterbrechen da und dort einfache, populäre Melodien, die Gay in verschiedenen Liedsammlungen fand, während Pepusch lediglich die Instrumentalbegleitung der Songs und eine Ouvertüre beisteuerte. 1948 modernisierte Benjamin Britten das Werk, indem er die Dialogtexte und die Originalmelodien beibehielt, letztere aber für Kammerorchester arrangierte.

PRESSESTIMMEN

«An der Wand und auf einer Tribüne frontal zum langen Kellergeschoss des UG sitzen die Zuschauer. Ganz hinten quer zum Geschehen spielt das Kammerorchester der Jungen Philharmonie Zentralschweiz. Am Boden sind überall Europaletten verstreut oder aufgestapelt. Die Akteure bewegen sich in hautnahem Kontakt zum Publikum, jede der neun Personen stellt sich schon während der Ouvertüre zur Schau, immer wenn das Thema erklingt, das sich auf seine Rolle bezieht. Sogleich wird klar, dass das nicht die «The Beggar's Opera» von John Gay und Johann Christoph Pepusch ist, die 1728 in London uraufgeführt wurde. Der Name von John Gay steht noch da, aber dazu Christian Kipper, der die Dialoge aktualisiert hat (mit deutlichen Seitenhieben auf Wirtschaft und Politik).

In der Tat kommt das, was Benjamin Britten nur ein Jahr nach seinem «Peter Grimes» 1948 komponierte, einer Neuschöpfung gleich. Hält man eine ältere Schallplatten-Aufnahme des Originals der Britten-Fassung entgegen, hört man, mit wie viel stärker als Pepusch (dieser ganz barock-harmonisch im Stil der Opera seria) er mit Farben arbeitet, wie viel härter er die Harmonik aufraut, wie sehr er die Szenen klangmalerisch illustriert und die Befindlichkeit der Figuren kommentiert. Die zwölf Musiker wechseln unter Andrew Dunscombe gekonnt zwischen gestischer Akzentuierung und eingängigem Songcharakter und treten. bei der famosen Szene, in der die Dirne Jenny Diver (Anna-Chiara Muff) Macheath verführt und seinen Häschern ausliefert, solistisch hervor. Dunscombe agiert zugleich als Komponist und Spielleiter, macht immer wieder Zwischenrufe und folgt damit der ursprünglichen Anlage, die auch bei der strikten Trennung von (englischen) Gesangsnummern und (hier deutschen) Dialogen gewahrt bleibt. Aus den Bettlern freilich sind smarte Figuren in modischer Kleidung geworden, die ihre Geschäfte mit dem Laptop abwickeln, nach aussen sich gutbürgerlich-moralisch geben, in Wahrheit aber skrupellos hinter dem Geld herjagen. (…)

Gesanglich und darstellerisch fällt keiner der neun Bachelor- und Master- Studenten ab. Die beiden mit Macheath verheirateten Sängerinnen der Polly (Annina Haug) und der Lucy (Rita Barmettler) bewältigen ihre wechselnden Gefühle sogar ausgesprochen furios, profitieren dabei in besonderem Masse von der Regiearbeit der Christine Cyris, die mehr Gewicht auf balladenhafte Erzählweise und Gefühlsechtheit als auf Parodie legt. Alles in allem eine über das Pädagogische hinaus durchaus sehens- und hörenswürdige Darbietung der Musikhochschule im Verein mit dem Luzerner Theater.» 
Neue Luzerner Zeitung, 17.Februar 2012