Wiener Schmäh im UG
Ein Gespräch zwischen dem Choreografen Georg Reischl und der Dramaturgin Lucie Machan.
Machan: Nachdem Du bei der Geburtsstunde von «Tanz Luzerner Theater» dabei gewesen bist, arbeitest du nun zum wiederholten Mal mit dem Luzerner Tanzensemble. Inwiefern ist das für Dich als Choreograf spannend?
Reischl: Das ist sehr spannend für mich. Vor zwei Jahren bin ich in einer völlig neuen Situation angekommen. Ich arbeitete mit einem frisch zusammengesetzten Ensemble, in dem sich die Tänzerinnen und Tänzer untereinander kaum kannten. Heute besteht das Ensemble noch aus derselben Zusammensetzung und es hat sich eine neue Gruppendynamik entwickelt: es herrscht grosses Vertrauen zwischen den einzelnen Ensemblemitgliedern und sie sind zu einer selbstbewussten, talentierten Compagnie zusammengewachsen. Vor Probenbeginn habe ich mir Gedanken gemacht, wie viel ich von den einzelnen erwarten und an welcher Stelle ich einsteigen kann, um mich und die Compagnie zu fordern. Ich möchte in jedem Stück, das ich mache, eine neue Situation schaffen, einen Prozess entwickeln, der sehr kreativ ist.
Machan: Wie passt hier der Mythos W. A. Mozart und seine heute so viel gehörte Musik dazu?
Reischl: Bei der Entstehung von «Zeitgeister» war alles neu: die Compagnie, die Bühne, die komponierte Musik. Das war aufregend. Nun habe ich eine neue Herausforderung gesucht und machte es mir zur Aufgabe, bereits bestehende klassische Musik zu verwenden – das ist neu für mich und meine Arbeitsweise. Für Mozart interessierte ich mich sicher zum einen, weil er wie ich in Salzburg geboren wurde. Der eigentliche Grund ist jedoch, dass sein musikalisches Genie mich stark berührt und anregt. Für die Reise durch die Vielfalt seiner Werke - Klavierkonzerte, Kammermusik, Kompositionen für Streicher, Arien usw. - stellte ich die für «Tanz 8» ausgewählte Musik collagenartig zusammen und versetze sie mit Brüchen.
Machan: Das klingt eher unkonventionell.
Reischl: Das war Mozart auch. Für seine Zeit hegte er sehr moderne Gedanken. Es kam ihm auf die Synthese von Gegensätzen an, auf das Spiel mit Kontrasten, das er in seiner Musik immer wieder thematisiert. Ich habe das Gefühl, er machte dadurch das Abstrakte gesellschaftsfähig.
Machan: Wirst Du Mozart im UG gesellschaftsfähig machen?
Reischl: Mozart selbst würde die Einzigartigkeit dieses unterirdisch gelegenen Raumes sicher sehr schätzen. In meiner Uraufführung «Mozarts Kammertanz» wird für den Raum des UG, der eben sehr speziell ist, und für das Ensemble des «Tanz Luzerner Theater» kreiert. Ich möchte nicht das Leben Mozarts nacherzählen, jedoch Verweise und Verbindungen darauf durch Kostüme, Requisiten und Perspektivwechsel im Raum schaffen.