Eine Symbiose aus Konzert und Tanz
Tänzer und Choreograf Ihsan Rustem im Gespräch mit Dramaturgin Lucie Machan
Choreograf der beiden Uraufführungen «shazaam!» und «Terra Firma» ist Ihsan Rustem, ein junges Talent aus dem Tanzensemble des Luzerner Theaters. Der Brite wurde schon mehrfach für seine Choreografien ausgezeichnet, erst kürzlich mit dem renommierten Choreografenpreis des Sadler Wells’s Theatre in London und mit dem Publikumspreis des 25. Internationalen Wettbewerb für Choreografen Hannover.
Machan: Du choreografierst zwei Stücke für diese Produktion, zum einen «shazaam!» für Ballettschülerinnen und Ballettschüler der «Dance Art Studio Ballettschule Luzern» und der Ballettschule «Martine Giaconi» und «Terra Firma» für das Tanzensemble des Luzerner Theaters. Wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen und worin siehst du die Herausforderungen?
Rustem: Der Arbeitsprozess mit Ballettschülern und professionellen Tänzern ist ein völlig unterschiedlicher. Ein Profitänzer weiss wie er meine Vorgaben zu den einzelnen Schritten umsetzen muss, ohne dass ich Erklärungen liefern muss; er tut das instinktiv. Er hat genügend Erfahrung und bereits ein ausgereiftes Körperbewusstsein. Die Ballettschüler sind noch Lernende, die nicht nur die Schritte erlernen müssen – das ist noch das Leichteste für meine begabten Schüler -, sondern auch die Umsetzung zur Musik, das Zählen der Takte, den eigenen Körper und seine Grenzen, alles was dazu gehört, um die Choreografie zum Leben zu erwecken und eine professionelle Vorstellung auf die Bühne zu stellen.
Machan: Das hört sich nach viel Arbeit an und nach der Voraussetzung von pädagogischer Kenntnis.
Rustem: Es kostet durchaus Energie. Und Zeit, weil die Planung aufwändiger ist. Jedoch macht mir das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen viel Spass. Zugute kommt mir hier meine jahrelange Erfahrung als Tanzlehrer in den verschiedensten Ballettschulen. Ich habe verstehen gelernt, um was es beim Arbeiten mit Amateuren geht – und mit Teenagern! Ausserdem ist es ein hervorragendes Gefühl, wenn man als Lehrer oder Choreograf Fortschritte bei den Schülern erzielt. Das ist besser als alles andere und so vergisst man einen Mehr-Aufwand schnell wieder. Es ist auch wichtig in der Arbeit mit Jugendlichen flexibel zu bleiben. Manchmal setze ich mir Ziele, wie weit ich in einer Probe kommen möchte und erreiche sie dann nicht – das erfordert schnelles Umdenken. Lernen und Lehren ist ein ständiges Auf und Ab.
Machan: Du verwendest für beide Choreografien Melodien aus berühmten Opern oder beliebten Kompositionen. Das verlangt hohe musikalische Kenntnis und eine perfekte Umsetzung in Tanzschritte.
Rustem: Ich verwende Kompositionen aus verschiedenen Epochen und möchte damit verschiedene Farbtöne aufzeigen, vor allem in «shazaam!», das in fünf kleine, sehr unterschiedliche Einzelszenen unterteilt ist. Auch wenn die Kompositionen partiell aus Oper ausgewählt wurden, möchte ich keine Geschichte erzählen, sondern mit meiner Choreografie ausdrücken was ich beim Hören der Musik empfinde. Jedem der Zuschauer bleibt es natürlich frei etwas anderes zu fühlen. Meine künstlerische Laufbahn begann ich selbst als Violinist. Daher habe ich die Musik schon im Kindesalter lieben und verstehen gelernt.
Machan: Und nun wird das Luzerner Sinfonieorchester die Choreografien mit einer Streichformation begleiten?
Rustem: Es ist wunderbar, dass wir für unsere Produktion das LSO zur Verfügung haben. Und hierbei bin ich zutiefst dankbar für die gute Unterstützung der musikalischen Leiterin, Anja Röhn, 2. Konzertmeisterin des LSO. Ein gutes Verhältnis von Dirigentin und Choreograf ist für solch eine Produktion sehr wichtig und wir haben ein wunderbares Verständnis für einander und viel Vertrauen. Anja Röhn war eine ausschlaggebende Beraterin bei der Auswahl der Musik und deren Ausschnitte, der Tempi und der Reihenfolge. Es war gar nicht so leicht passende Kompositionen für ein Streichorchester zu finden und ich bin ihr für ihre Unterstützung hierbei sehr dankbar.
Machan: «Tanz 8 1/2» ist eine Produktion für die ganze Familie. Gibt es eine Altersempfehlung?
Rustem: Für alle von 6 bis 99 Jahren! Ich möchte meine beiden Choreografien so gestalten, dass sie für alle Altersgruppen zugänglich sind. Für Jeden ist etwas dabei. In «Terra Firma» möchte ich zeigen, zu welchen Leistungen ein Tänzer fähig ist, und wohin unsere Ballettschüler noch kommen können. Das soll der Ansporn sein!