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Luzerner Theater

Tanz 8½: Familienkonzert mit Tanz

«Die schlechtgelaunte Hexe», musikalisches Märchen für Kinder
«shazaam!» und «Terra Firma», Tanzstücke von Ihsan Rustem
Luzerner Sinfonieorchester
Uraufführung
Premiere: 04. Februar 2012

Geschichten erzählt man sich mit Worten – in der Regel. Man kann es aber auch mit Tönen oder Bewegungen tun. Der ideale Ort, an dem sich das auf spannende oder komische, traurige oder zarte, wilde oder verrückte Weise erleben lässt, ist das Theater. Bei «Tanz 8 ½» werden wir Euch einige Sachen auf ganz unterschiedliche Arten erzählen – ein wichtiger Bestandteil dabei ist aber immer die Musik.

Fangen wir mit dem musikalischen Märchen «Die schlechtgelaunte Hexe» an. Hexen können ja so oder so sein, gut oder weniger gut, das heisst: auch ziemlich böse. Um so eine Hexe geht es. Sie ist ziemlich mächtig, kann fürchterlich zaubern – zumindest wenn sie nicht die Nerven verliert – und darf vor allem eines nicht: Lachen. Sollte ihr das einmal aus vollem Halse passieren, wäre sie ihre ganze Zauberkraft los. Und damit ihr das auch nie passiert, läuft sie tagein, tagaus schrecklich schlechtgelaunt durchs Leben. Mit ihrer griesgrämigen Art piesackt sie ein armes Mädchen, das eines Tages die Flucht ergreift und sich auf dem Schloss eines jungen Prinzen versteckt. Doch das will die Hexe durchaus nicht hinnehmen und macht Jagd auf die beiden Kinder … Das Märchen besteht zum Teil aus Worten, zum Teil aus Musik. Die Bilder dazu gibt’s nicht auf der Bühne, die entstehen ganz automatisch in Euren Köpfen. Auch das ist Theater!

Das Tanzstück «shazaam!»  von Ihsan Rustem, das er mit Ballettschülern der «Dance Art Studio Ballettschule Luzern» und der Ballettschule « Martine Giaconi» inszeniert, folgt. Es will dem Publikum einen Einblick in die Kinderwelt gewähren – und den Kleinsten einen Einblick in die Tanzwelt. Es ist eine Welt der Geheimnisse, Codes, der Fantasie, in der Humor und Ernsthaftigkeit dicht beisammen sind. Getanzt wird unter anderem zu Ausschnitten aus «Carmen» von Georges Bizet, aus «Eine kleine Nachtmusik» von W.A.Mozart und aus «Die vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi. 

Anschliessend wird die Uraufführung «Terra Firma» vom Ensemble des «Tanz Luzerner Theater» zu Franz Schuberts Komposition «Der Tod und das Mädchen» getanzt. Hier wird die geschmeidige und kontrastreiche Handschrift des jungen Choreografen und Tänzers Ihsan Rustem deutlich.

Es spielt eine Streicherformation des Luzerner Sinfonieorchesters unter der Leitung von Anja Röhn. Das Märchen von Christian Kipper spricht Christian Baus.

Hier geht es zum Vorbericht in der Neuen Luzerner Zeitung.

 

Empfohlen ab 6 Jahren

GESPRÄCH

Eine Symbiose aus Konzert und Tanz

Tänzer und Choreograf Ihsan Rustem im Gespräch mit Dramaturgin Lucie Machan

Choreograf der beiden Uraufführungen «shazaam!» und «Terra Firma» ist Ihsan Rustem, ein junges Talent aus dem Tanzensemble des Luzerner Theaters. Der Brite wurde schon mehrfach für seine Choreografien ausgezeichnet, erst kürzlich mit dem renommierten Choreografenpreis des Sadler Wells’s Theatre in London und mit dem Publikumspreis des 25. Internationalen Wettbewerb für Choreografen Hannover.

Machan: Du choreografierst zwei Stücke für diese Produktion, zum einen «shazaam!» für Ballettschülerinnen und Ballettschüler der «Dance Art Studio Ballettschule Luzern» und der Ballettschule «Martine Giaconi» und «Terra Firma» für das Tanzensemble des Luzerner Theaters. Wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen und worin siehst du die Herausforderungen?

Rustem: Der Arbeitsprozess mit Ballettschülern und professionellen Tänzern ist ein völlig unterschiedlicher. Ein Profitänzer weiss wie er meine Vorgaben zu den einzelnen Schritten umsetzen muss, ohne dass ich Erklärungen liefern muss; er tut das instinktiv. Er hat genügend Erfahrung und bereits ein ausgereiftes Körperbewusstsein. Die Ballettschüler sind noch Lernende, die nicht nur die Schritte erlernen müssen – das ist noch das Leichteste für meine begabten Schüler -, sondern auch die Umsetzung zur Musik, das Zählen der Takte, den eigenen Körper und seine Grenzen, alles was dazu gehört, um die Choreografie zum Leben zu erwecken und eine professionelle Vorstellung auf die Bühne zu stellen.

Machan: Das hört sich nach viel Arbeit an und nach der Voraussetzung von pädagogischer Kenntnis.

Rustem: Es kostet durchaus Energie. Und Zeit, weil die Planung aufwändiger ist. Jedoch macht mir das Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen viel Spass. Zugute kommt mir hier meine jahrelange Erfahrung als Tanzlehrer in den verschiedensten Ballettschulen. Ich habe verstehen gelernt, um was es beim Arbeiten mit Amateuren geht – und mit Teenagern! Ausserdem ist es ein hervorragendes Gefühl, wenn man als Lehrer oder Choreograf Fortschritte bei den Schülern erzielt. Das ist besser als alles andere und so vergisst man einen Mehr-Aufwand schnell wieder. Es ist auch wichtig in der Arbeit mit Jugendlichen flexibel zu bleiben. Manchmal setze ich mir Ziele, wie weit ich in einer Probe kommen möchte und erreiche sie dann nicht – das erfordert schnelles Umdenken. Lernen und Lehren ist ein ständiges Auf und Ab.

Machan: Du verwendest für beide Choreografien Melodien aus berühmten Opern oder beliebten Kompositionen. Das verlangt hohe musikalische Kenntnis und eine perfekte Umsetzung in Tanzschritte.

Rustem: Ich verwende Kompositionen aus verschiedenen Epochen und möchte damit verschiedene Farbtöne aufzeigen, vor allem in «shazaam!», das in fünf kleine, sehr unterschiedliche Einzelszenen unterteilt ist. Auch wenn die Kompositionen partiell aus Oper ausgewählt wurden, möchte ich keine Geschichte erzählen, sondern mit meiner Choreografie ausdrücken was ich beim Hören der Musik empfinde. Jedem der Zuschauer bleibt es natürlich frei etwas anderes zu fühlen. Meine künstlerische Laufbahn begann ich selbst als Violinist. Daher habe ich die Musik schon im Kindesalter lieben und verstehen gelernt.

Machan: Und nun wird das Luzerner Sinfonieorchester die Choreografien mit einer Streichformation begleiten?

Rustem: Es ist wunderbar, dass wir für unsere Produktion das LSO zur Verfügung haben. Und hierbei bin ich zutiefst dankbar für die gute Unterstützung der musikalischen Leiterin, Anja Röhn, 2. Konzertmeisterin des LSO. Ein gutes Verhältnis von Dirigentin und Choreograf ist für solch eine Produktion sehr wichtig und wir haben ein wunderbares Verständnis für einander und viel Vertrauen. Anja Röhn war eine ausschlaggebende Beraterin bei der Auswahl der Musik und deren Ausschnitte, der Tempi und der Reihenfolge. Es war gar nicht so leicht passende Kompositionen für ein Streichorchester zu finden und ich bin ihr für ihre Unterstützung hierbei sehr dankbar.

Machan: «Tanz 8 1/2» ist eine Produktion für die ganze Familie. Gibt es eine Altersempfehlung?

Rustem: Für alle von 6 bis 99 Jahren! Ich möchte meine beiden Choreografien so gestalten, dass sie für alle Altersgruppen zugänglich sind. Für Jeden ist etwas dabei. In «Terra Firma» möchte ich zeigen, zu welchen Leistungen ein Tänzer fähig ist, und wohin unsere Ballettschüler noch kommen können. Das soll der Ansporn sein!

PRESSESTIMMEN

« Mit «Tanz 81/2» bot das Luzerner Theater am Samstag erstmals ein «Familienkonzert mit Tanz» für Erwachsene, Jugendliche und Kinder ab sechs Jahren. Das Herzstück dafür ist das erste getanzte Stück des Abends. In den fünf kurzen Tanz-Clips, die Ihsan Rustem nach einem Comic-Zauberwort «Shazaam!» nennt, standen nicht die Tänzer des Theater-Ensembles, sondern drei Kinder und zehn Schülerinnen aus Luzerner Ballettschulen auf der Bühne und tanzten zu klassischen Evergreens (live gespielt von einer Streicherformation des Luzerner Sinfonieorchesters). (…)
Rustem wandelt solch doppelbödiges Spiel in den fünf Szenen mit viel Fantasie ab. Im zweiten Clip dient ein fahrbares Wandelement als Podest für drei Girls, die sich wie beim Schönheitswettbewerb auszustechen versuchen und die Haare fliegen lassen wie in der Shampoo-Werbung. Zu Mozarts «Kleiner Nachtmusik» werden sie zu Rokoko-Puppen ausstaffiert, die sich mit wackelnden Hintern um einen Tisch und den einzigen freien Stuhl rangeln. Damit könnte dieser Tanz sogar Teenager ansprechen, die null Bock auf Tanz haben: Eine solche nämlich schlurft im vierten Stück cool auf die Bühne und sticht (ein Höhepunkt) im Tanzduell doch die beiden Konkurrentinnen aus. Der letzte Clip (zu Vivaldis «Jahreszeiten») nutzt mit Tempo und dem raffinierten Spiel hinter einem wehenden, die ganze Bühne bedeckenden Vorhang auch einen Effekt, wie ihn nur die grosse Theaterbühne bietet.  Das eigentliche Geheimrezept für den Erfolg der vom teils jugendlichen Publikum bejohlten Produktion liegt darin, das Rustem ein Grundmuster abwandelt, das wir als Kinder, Jugendliche oder Erwachsene alle kennen: Überall geht es um Rivalitäten, Eifersüchteleien oder Konkurrenzkämpfe. In kindlicher Form gilt das sogar für die kurzen Intermezzi, die jeden der fünf Clips einleiten: Was hier zwei Knaben und ein Mädchen an Kinderslapstick bieten, ist auch ohne jeden Herzigkeitsbonus grosse Klasse. (…)
Bestens bedient werden die Kleinen vor der Pause mit einer Märchenerzählung von Haus-Dramaturg Christian Kipper. In ihr wird eine Hexe von einem Prinzen und einem Mädchen so ausgekitzelt und zum Lachen gebracht, dass sie ihre Zauberkraft verliert: Ein Stück, das Christian Baus als Erzähler mit vielen, auch zauberischen Farben ausstattet und das in den Zwischenmusiken (Griegs Holberg-Suite) von Ferne nachklingt. (…) Mehr an die Erwachsenen richtet sich Rustems Choreografie zu zwei Sätzen aus Schuberts Streichquartett «Der Tod und das Mädchen». Da beweist zwar das Luzerner Tanzensemble die «Weltklasse», die Rustem als international tätigen Choreografen begeisterte.» 
Neue Luzerner Zeitung, 6. Februar 2012 

Mit freundlicher Unterstützung der TANZfreunde Luzerner Theater und der Daria Nyzankiwska Dance Foundation.