Migros Kulturprozent Tanzfestival Steps

Luzerner Theater

Migros Kulturprozent Tanzfestival Steps

Die Welt tanzt an 24.4. - 17.5.2014
«L-E-V» mit «HOUSE»

«Steps», das Tanzfestival von «Migros-Kulturprozent», ist das grösste für zeit­genössischen Tanz in der Schweiz und findet alle zwei Jahre statt. Ein un­verwechselbares Merkmal des Festivals ist seine dezentrale Struktur, «Steps» verteilt den Tanz flächendeckend im ganzen Land. Neben den rund 90 Vor­stellungen finden Workshops für Schüler und Tanzschaffende sowie ein Fachsymposium statt.

«Migros-Kulturprozent» und «Tanz Luzerner Theater» laden die innovative Kompanie «L-E-V» des israelischen Künstlerpaares Sharon Eyal und Gai Behar ein. Sharon Eyal ist Tänzerin und Choreografin, während Gai Behar als Produzent der Underground-Kunstszene tätig ist. «House», mit der intensiven Choreografie Sharon Eyals und dem elektronischen Klangteppich des experi­men­tellen Musikers Ori Lichtik, ist ein faszinierendes Tanzspektakel von hypnotisierender Sinnlichkeit und purer Körperlichkeit.

Sie beben, zittern, ringen unisono und bleiben dabei trotzdem individuelle Persönlichkeiten. In glühenden Bewegungen verkörpern die neun Tänzerinnen und Tänzer scheinbare Widersprüche: Hingabe und Dominanz, Chaos und Ordnung, Individualität und Konformität. In den Nebeln weiss-grünen Lichts biegen sie sich rückwärts, knoten ihre Körper vorwärts, lassen sich treiben als Individuen von grosser Strahlkraft und finden wie auf Kommando zurück zur synchron schwebenden Gruppe. Sharon Eyal und ihre Kompanie aus Tel Aviv ticken im Takt des Techno, mit kühler Präzision und zugleich glühend heiss. Techno als Musik, als Tanz, als Philosophie.

Die unlängst in Tel Aviv gegründete Kompanie L¬E¬V – «lev» ist Hebräisch für «Herz» – ist ein Geheimtipp der besonderen Art und wird in der Tanzwelt sicher noch von sich reden machen.

«House» ist kompromisslos und fordert die Sehgewohnheiten heraus. Wer sich auf dieses Experiment einlassen mag, der reise in den kommenden Tagen nach Luzern, Biel oder Thun. Es lohnt sich. NZZ, 2.5.2014

Vorstellungsdauer: 1 Stunde ohne Pause

Weitere Informationen unter www.steps.ch

Einen Trailer zum Stück von «L-E-V» finden Sie hier.

Ein Gespräch mit dem Künstlerpaar Sharon Eyal und Gai Behar auf Migros-Kulturprozent TV vom 7. April finden Sie hier.

Ein Interview mit «L-E-V» in der Neuen Luzerner Zeitung vom 16. April finden Sie hier.

PRESSESTIMMEN

Sharon Eyals Bewegungskunst wirkt auf Europa wie ein sprudelnder Bergquell: glasklar, schnell und unbelastet von Traditionen – und trotzdem ist sie nicht gewöhnungsbedürftig. TANZ INTERNATIONAL

Fremdartig, aggressiv, sexy, energiegeladen, urban: Noch immer kann man Eyals Arbeiten  mit diesen Begriffen charakterisieren. TANZ, Ausgabe Oktober 2013

 

Vollständiger Artikel aus: Neue Zürcher Zeitung vom 02.05.2014, Seite 19, Autor: Isabelle Jakob:
 

Techno in the House

Die Compagnie L–E–V am Steps

Wahrscheinlich ist es noch zu früh, um Vermutungen über die diesjährigen Entdeckungen des Tanzfestivals Steps anzustellen. Erst ein Drittel des Programms ist über die Bühne gegangen, noch haben nicht alle eingeladenen Produktionen in der Schweiz stattgefunden. Und dennoch kommt man nicht umhin, nachdrücklich auf das Stück «House» der israelischen Compagnie L–E–V hinzuweisen.

Um Ori Lichtik erweitert

Die Tanztruppe wurde 2012 von Sharon Eyal und Gai Behar ins Leben gerufen. Letzterer ist in Israel ein bekannter Produzent und Veranstalter von Techno-Events, Eyal war Tänzerin der Batsheva Dance Company in Tel Aviv und Muse von Ohad Naharin, dem Begründer des Gagatanzes: ein Tanzstil, der seit seiner Entstehung die Bewegungssprache einer ganzen Tänzergeneration mitprägt. Für «House» hat sich die Compagnie um Ori Lichtik erweitert, einen facettenreichen Musiker und Perkussionisten, der die Technoszene in Israel massgeblich beeinflusst hat. Die Bässe seiner Kompositionen lassen die Magengegend vibrieren, das Wummern wird zu einem treuen Begleiter in den sechzig Minuten, welche die zehn Tänzer auf der Bühne der Gessnerallee bestreiten.

Ohne Kompromiss

In der Choreografie lassen sich die Bewegungssprachen des Balletts und des Gagatanzes erkennen, auswärts gedrehte Füsse und hohe Beine gehören ebenso dazu wie das separierte Bewegen von Körpergliedern und das konvulsive Muskelspiel der Bauchgegend, das dank den hautengen Kostümen bestens sichtbar wird. Die Tänzer verharren in anspruchsvollen Posen, verändern sie durch minimale Zuckungen. Manchmal erinnern die Bewegungen an jene eines Roboters, meistens sind sie gleichzeitig steif und geschmeidig verführerisch. Die Gruppe wirkt wie fremdgesteuert, als würde sie von den Schallwellen bewegt, die aus einem riesengrossen Lautsprecher preschen. Die Bewegungen zeugen, anders als man das zur Technomusik erwartet, von einer auffallenden Gemächlichkeit. Eyal hat eine Choreografie geschaffen, die sich nicht den Beats der Musik unterordnet, sondern sich selbstbewusst durchzusetzen vermag. Das Stück ist stellenweise etwas träge, aber wenn man sich darauf einlässt, dann entwickelt es einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. «House» ist kompromisslos und fordert die Sehgewohnheiten heraus. Wer sich auf dieses Experiment einlassen mag, der reise in den kommenden Tagen nach Luzern, Biel oder Thun. Es lohnt sich.

Zürich, Gessnerallee, 30. April.

Biografien

Sharon Eyal

Als Tänzerin der Batsheva Dance Company Tel Aviv war Sharon Eyal die Muse des Choreographen Ohad Naharin. Bei Batsheva war sie Associate Artistic Director (2003-2004), anschliessend Hauschoreographin (2005). 2008 wurde Eyal «Chosen Artist» der Israel Cultural Excellence Foundation. 2012 gründete sie in Tel Aviv mit Gai Behar die Compagnie L¬E¬V. Ihre Gastchoreographien für die norwegische Compagnie Carte Blanche Love (2003), Killer Pig (2009) und Corps de Walk (2011) waren am Migros-Kulturprozent Tanzfestival Steps 2012 zu sehen. 

Gai Behar

Der Musiker und Produzent Gai Behar kreierte von 1999 bis 2005 Live-Musik, Techno-Events und Raves in Israel. Zusammen mit dem Musiker und DJ Ori Lichtik spielte er in der techno-akustischen Installation Anne Frank 14. Gemeinsam mit Lichtik arbeitete er an Eyals Produktionen für die Batsheva Dance Company, Carte Blanche sowie für das American Hubbard Street Dance Chicago (seit 2005).